Klare verständliche Worte zum EEG

Ich hab schon viel gelesen zum EEG 2014 und zur Deutschen Energiewende. Aber im Interview der Neuen Energie (August 2014 S. 15, oder teilweise online) sind mir die Antworten von Paul Gipe besonders aufgefallen. Seine Sprache ist so klar und eindeutig, dass ich seine 3 Antworten hier gerne noch alleine darstellen möchte. Die Neue Energie hatte diese drei Fragen an Klaus Rave, Dörte Fouquet, Anil Kane, Andrew Garrad und eben an Paul Gipe gestellt. Ich will die Antworten der anderen nicht schmälern, aber wer meinen Blog liest, weiß ich liebe die klaren, verständlichen und eindeutigen Worte… ich wünsche euch ebenso viel Spaß wie ich ihn hatte!

1. Wie schätzen Sie die Bedeutung der deutschen Energiewende und des EEG für die internationale „Energy Transition“ ein?
Paul Gipe: Die Energiewende und das EEG, das sie ermöglicht hat, sind Deutschlands Geschenk an die Welt. Und wir sind außerordentlich dankbar. Deutschland hat gezeigt, dass es gelingen kann, dass wir einen Wechsel von fossilen Brennstoffen und Atomenergie zu erneuerbaren Energien bewerkstelligen können, und das sehr viel schneller, als irgendjemand von uns sich das jemals vorgestellt hat. Andere Nationen reden viel und schlagen sich großspurig auf die Brust, aber Deutschland handelt – mit Windturbinen auf dem Land, Biogasanlagen auf den Feldern und Solaranlagen auf den Dächern. Deutschlands Leistungen inspirieren. Sie geben uns Hoffnung. Sie geben uns ein lebendes, atmendes Beispiel von einem Volk, das eine erneuerbare Zukunft direkt vor unseren Augen baut. Wichtiger und oft übersehen:
Die Deutschen haben gezeigt, dass erneuerbare Energie die Ressource der Menschen ist. Sie ist die Ressource des Volkes, durch das Volk und für das Volk. Darin ist Deutschlands Energiewende revolutionär. Thomas Jefferson, einer unserer Revolutionsführer, wäre stolz. Er würde der deutschen Demokratisierung der Stromerzeugung durch das lokale Eigentum erneuerbarer Energie applaudieren.

2. Wie bewerten Sie die Änderungen durch die aktuelle EEG-Reform, insbesondere die angekündigte Umstellung von festen Einspeisevergütungen auf Ausschreibungen ab 2017?
Paul Gipe: Katastrophal! Die Feinde erneuerbarer Energie, die Reaktionäre in den fossilen und atomaren Industrien außerhalb Deutschlands jubeln. Nur eine komplette deutsche Verleugnung der Energiewende hätte sie mehr gefreut. Diese rückschrittlichen Kräfte sagen eine solche Handlung seit Jahren vorher und haben Deutschland gezielt verschmäht. „Die Deutschen werden zur Vernunft kommen und diesen Nonsens beenden“, haben sie gesagt. Der Bundestag hat unwissentlich ihre Prophezeiung erfüllt.

3. Wie wird sich die Reform Ihrer Meinung nach auf die deutsche Energiewende und ihren Einfluss im Ausland auswirken?
Paul Gipe: Trotz frommer Erklärungen von Koalitionspolitikern kennen unsere Feinde – und das sind ein paar der mächtigsten Organisationen des Planeten – die Wahrheit. Sie haben eine neue Waffe gegen erneuerbare Energie und deren lokalen Besitz: Deutschlands Rückzug. Industrieanalysten und alle, die zwischen den Zeilen lesen können, wissen was wirklich passiert ist. Alle Begründungen, die CDU/CSU und SPD angeführt haben, sind Märchen. Wenn es um die Kosten ginge, warum dann der Deckel auf Onshore-Windenergie? Wenn es um die Netzintegration ginge, warum dann der Stopp beim Biogas? Nein, hier ging es darum, den Etablierten Marktanteile zu sichern, genau jenen Unternehmen, die die Energiewende lange abgelehnt haben. Es ging darum, die Energiewende zu verlangsamen, weil sie zu weit fortgeschritten ist, um noch gestoppt zu werden.

Nochmals vielen Dank an die Neue Energie für dieses tolle Interview und besonders die klaren Worte von Paul Gipe. Ich unterschreibe alle seine Aussagen würde allerdings widersprechen, „der Bundestag hätte unwissentlich die Prophezeiung erfüllt“, ich bin der Meinung der Bundestag wusste genau was er mit diesem bescheidenen EEG anrichtet!

10 Gedanken zu „Klare verständliche Worte zum EEG

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  2. Erhard Beitragsautor

    Ja, ja da habt ihr beide Recht.
    Claus auch mir ist Paul Gipe nicht bekannt. In der Neuen Energie wurde er als „Geschäftsführer (2004!) der Ontario Sustainable Energy Association“ vorgestellt. Seine Bücher (alle in englischer Sprache) http://www.buch.de/shop/home/suche/;jsessionid=B412AE7CECC1BC7E5D2552AFFC69B71E.tc2p?sswg=ANY&sq=paul+gipe&timestamp=1408347357004 befassen sich mit der Windenergie.

    Rainer dir kann ich sagen Claus Scheuber ist ein Solarpionier der ersten Stunde und immer eine Nasenlänge voraus. Im Netz findest du ein älteres „Porträtbild“ http://www.energyautonomy.org/index.php?article_id=165&clang=0&hspart=carelook&hsimp=yhs-benefind

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  3. Markus

    Hallo, klingt ja alles wunderbar, diese Lobeshymnen auf den Vorreiter der Energiewende >> die Bundesrepublik Deutschland. Das Problem ist nur, dass mittlerweile nur noch 46 Prozent der Bundesbuerger die seitens der Bundesregierung vorgegebenen Energiewende mittragen wollen. Das geht aus einer aktuellen GFK Studie hervor….kaum einer will neue Stromtrassen geschweige denn eine neue Windkraftanlage in seiner Naehe haben. Was folgen wird sind Klagen ueber Klagen und das wird diesen Prozess der Energiewende verzoegern. Traurig, aber wahr. Beste Gruesse Markus

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  4. Erhard Beitragsautor

    Hallo Markus,
    leider überwiegen die negativen Berichte bezüglich dem Ausbau der Windenergie. Trotzdem ist festzuhalten, dass in 2013 der zweithöchste Ausbau der Windenergie in Deutschland war und 2014 zu einem Höhenflug werden dürfte. Auch wenn dieser Höhenflug durch die Torschlußpanik vor der Direktvermarktung ausgelöst ist. Wir werden zwei Jahre lang einen starken Ausbau der Windenergie erleben. Die Stromtrassen sind bei einem gleichmäßigen Ausbau der Erneuerbaren Energien zum Großteil unnötig. Was benötigt wird sind dezentrale Speicher. Damit meine ich alle Speicherformen Kurzzeitspeicher, mittlere Speicher und Langzeitspeicher.

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  5. Jürgen Oberst

    Klar sind die Beharrungskräfte gross und leidet das Land unter einer politischen Führung, die jegliche Klarheit vermissen lässt. Paradoxerweise aber war es genau diese permanente Unentschlossenheit der verschiedenen Merkel-Regierungen, die durch ihr unberechenbares und sprunghaftes Vorgehen phasenweise einen enormen Zubau und somit insgesamt hohe Anlagenzahlen bewirkt hat. Lange Zeit von den Konzernen nicht ernst genommen, kommen deren lobbyistische Querschüsse gegen die Erneuerbaren zu spät. Die Technik lässt sich nicht aufhalten, weil es die sinnvollste und günstigste Art ist, Energie zu erzeugen.
    Interessant finde ich immerhin, dass das Wirtschaftsministerium alle Ziele, die es unter Rösler verfolgt hatte, erst unter Gabriel erreicht. Der macht eine lupenreine FDP-Energiepolitik mit Alleinzuständigkeit, Ausschreibungsmodell und Sonnensteuer. Liegt wohl an den libertären U-Booten, die im BMWi und anderswo auf Tauchstation gegangen sind, um guerillaartig weiterhin die Gesellschaft zu sabotieren.
    Aber auch am roten Kohlemythos, Glückauf! Selbst wenn die Kohle mittlerweile aus Kolumbien kommt. Und von Merkel dazu wie immer – nichts.

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  6. Markus

    Hallo nochmals,

    @ Erhard: es mag sein, dass es auch 2014 einen starken Ausbau der Windenergie geben wird – diese Aussage beruht aber meines Erachtens ebenso auf einer Prognose, deren Erfuellung es abzuwarten gilt wie die von mir im ersten Kommentar genannte GFK Statistik bezueglich der zunehmenden Zurueckhaltung. Ich komme aus dem hohen Norden Deutschlands und hier ist der „Widerstand“ zur Energiewende seitens der Bürger in verschiedensten Ausdrucksformen absolut spürbar – insbesondere gegen die Windenergie. Das ist leider ein zu akzeptierender Fakt. Gruss Markus

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  7. Erhard Beitragsautor

    @Markus, die 2014er Aussage beruht auf den Installationszahlen des ersten Halbjahres. Es wurden 1.772 MW zugebaut mehr als im gesamten Jahr 2010. http://www.wind-energie.de/sites/default/files/attachments/page/statistiken/fact-sheet-onshore-statistik-halbjahr-2014.pdf Oder wie es der BWE beschreibt 66% mehr wie im ersten Halbjahr 2013!

    Bezüglich der Widerstände kann ich dir sagen ich wohne im Kreis Bergstraße dem einzigsten Landkreis in Deutschland in dem mehr Atomkraftwerke (zwei) wie Windräder (null!) stehen. Hier läuft eine nach der anderen Anti WKA Aktion ab.
    Hier unsere Statistik: 12 Windräder an vier verschiedenen Standorten und ich sehe, dass derzeit nur einer „Widerstandslos“ gebaut wird!
    http://www.rp-darmstadt.hessen.de/irj/RPDA_Internet?cid=08600e2931c4089fe915bf3ae7443c09 (pdf auf der Seite unten!)
    Trotzdem kann ich dir aus dem Süden vermelden da tut sich was. Auch in Baden Württemberg kommt nach und nach was in die Gänge. Also immer positiv, wir schaukeln das Ding schon nach Hause.

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  8. Rainer

    Hallo Erhard,

    es fehlt an einem „Ironie Button“ ! Leute mit einer „gewissen Vergangenheit“ im WEB (was wohl inzwischen mit dem „realen Leben“ gleichzusetzen ist), lassen sich problemlos „ergoogeln“ bzw. wem das lieber ist mit „DuckDuck“ erquaken. Gewöhnlich findet sich bei Leuten wie „Paul Gipe“ und selbstverständlich auch über „Claus Scheuber“ mehr Material, als an einen normalen Morgen verkraftete werden kann. Da Du (wie alle Blogger G… sei´s geklagt) Kommentare mit mehr als einem Link erst freischalten musst, habe ich die Googlesuchanfrage einfach aufgeteilt. Jeder der also wissen wollte, wer da anfragt, konnte das entweder selbst zusammensetzen oder ganz einfach schlicht selbst den Namen eingeben.

    [Info : mit Klick auf „Rainer“ findet sich dieser Beitrag nebst relevanten Links ]

    Dieser Link : https://www.google.de/search?hl=de&pws=0&op=out&q=Claus+Scheuber bringt bei mir 12.800 Ergebnisse. Die habe ich vor fünf Minuten seit meiner Anfrage nun alle gesichtet – nun weiß auch ich, wer Herr Scheuber ist ( / IRONIE)

    Mal ganz davon abgesehen, es gibt glücklicherweise noch jede Menge Menschen auf diesem Planeten welche sich entweder in aller Stille oder eben prominent um die Erhaltung eben dieses Planeten (in unserem Sinn) verdient gemacht haben. Leider stößt man / frau eher zufällig und isoliert auf dies Protagonisten. Wer in der glücklichen Lage ist auch in englischer Sprache verfasste Bücher usw. lesen zu können, findet gerade im Land der größten Irren, in den USA, erstaunlich viele Vertreter dieser Art. Übrigens „Irre“ habe ich aus dem Öläquivalent (RÖE) der USA „errechnet“, die verbraten jährlich ~2,7 km³ davon und das ist einsamen Spitze (nur so nebenbei).

    Was Umfragen angeht, die sind eigentlich selten mehr als eine „Ex & hopp“-Form des „Zeitgeistes“. Wenig verlässlich. Mit einer entsprechenden „kleinen Gehirnwäsche“ leicht zu drehen. Wer fragt da, wie und was, blieb kürzlich in den grauen Zellen hängen ? Ein Schuss Manipulation und fertig ist die Umfrage. Wobei die Zustimmung mit der Entfernung (zum Ereignis) zunimmt (ob linear oder expotentiell, daran arbeite ich noch :mrgreen: ) Ablehnung entspricht dem Reziprokwert. Sprich je näher man / frau dran sein wird, desto größer die Ablehnung.

    Fachliche – ergo wissenschaftliche Erwägungen – sind dabei eher rar. Notfalls erfindet man sich „Gefahren“ die von der „neuen Technologie“ ausgehen. Bei Windmühlen sind es der „Infraschall“. Ich stimme da vollkommen zu. Habe ich doch selbst wegen dieser Probleme schon sämtliche deutsche Zoos angeschrieben, die Elefanten dort, sind eine nicht zu vernachlässigende, geradezu tödliche Quelle des Infraschalls und müssen leider zurück nach Afrika (was bekanntlich weit weg ist).

    Für Freunde am Gruseln über den nahenden „Blackout“, empfehle ich „Blackout. Morgen ist es zu spät“ von Marc Elsberg als Bettlektüre (auch als elektronische Version zu beziehen – bitte schnell lesen, bevor das Licht ausgeht 😯 ). Dabei wirft diese sehr „lebensnahe“ Fiktion einige sehr reale Fragen über die Gestaltung unseres Stromnetzes auf. Mit einer erstaunlichen Nähe zur Realität, können auch alle „Totallaien“ dort nachvollziehen, wo die Achillesferse moderner Technologie zu finden ist. „Nach“ dem Buch ist Denken angesagt (jedenfalls für alle, welche zu dieser erstaunlichen, leider nur wenig genutzten Fähigkeit des „Homo sapiens“ neigen).

    Nun ich habe meine eigene Vorstellung wie eine „unkaputtbare“ Stromversorgung aussehen könnte. Auf die weiterhin unvermeidbaren Stromtrassen (jedenfalls die schon existieren) werden „wir“ wohl „mittelfristig“ eher nicht verzichten können. Doch ein Umbau in möglichst autonome „Maschen“ wäre schon ein Ziel an sich. Wenn dann noch diese „Maschen“ über sog. „HGÜ-Kurzkupplungen“ und nicht wie derzeit üblich verbunden wären, käme a) „zu Tage“ wo tatsächlich Verbrauchsschwerpunkte existieren und b) wie man diese Maschen gestalten muss, um einerseits Energie zu sparen und andererseits die ganze Schoße weiter zu „härten“. Wer das o.g. Buch gelesen und verstanden hat, wir spätesten dann wissen, was eigentlich „die Schwarzstartfähigkeit“ bedeutet. Wer ohne das Buch auskommen möchte, kann sich im WIKI „Schwarzstart“ eine Kurzinfo verschaffen und daraus einige notwendige Schlüsse ziehen – z.B. warum dezentrale Speicher und PV-Inseln eine erfreuliche Stärkung eines zukünftigen Netzes sein könnten….

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