Das Netz, das Netz und das Energieleitungsausbaugesetz

Wie erwartet gab es auf meinen gestrigen Netzartikel von Rainer und Thorsten Rückmeldungen. Beide betrachten das Netz technisch und zeigen erneut wie komplex „Energiewende“ sich darstellt. Völlig neu war mir dass 25% der Stromproduktion sich in Luft (Wärme!) auflöst! Wobei mit noch nicht klar ist was an den „Zählern“ passiert. Die Stromzähler „an den Kraftwerken“ registrieren 600 TWh Strom und die „Zähler“ der Käufer registrieren nur 450 TWh? Soll dies tatsächlich so sein?

Bei Thorsten findet sich auch der Hinweis, dass dank der vielen tausenden dezentralen Stromeinspeisungen die Übertragungsverluste sich verringern.

Mein Artikel wollte aber die politische Ebene oder die Preisgestaltung ansprechen. Wieso muss jede gekaufte Kilowattstunde Strom mit dem gleichen Netzentgelt bezahlt werden

Wenn heute eine Kilowattstunde Strom aus der PV Anlage des Nachbarn (nur physikalisch betrachtet) bezieht, zahlt er genau so viel wie wenn er eine Kilowattstunde aus Norddeutschland geliefert bekäme. Dies müsste meines Erachtens geändert werden. Dann würden energieintensive Betriebe endlich ihren Beitrag zum Netzausbau leisten. Tun sie aber heute nicht!

Das war mein Anliegen. Wir brauchen eine Preiskomponente welche die den Transportweg berücksichtigt!

Wer sich aber die unflexiblen und trägen Netzbetreiber anschaut der staunt nur. Ich bin mal gespannt wann die „in die Puschen“ kommen. Dabei werden nach meiner Einschätzung ein Großteil der neuen Netze nur gebaut weil diese Netze „Handelsstraßen“ sind auf denen Strom transportiert, gehandelt und verkauft werden kann. So richtig schöne Zockerleitungen geben dies. Da können sich die Börsianer austoben aber mit der Versorgungssicherheit hat das wenig zu tun. Oder glaubt jemand, diese Netze würden nur den Überschüssigen Strom der „unsteten“ Wind und Solarenergie aufnehmen und transportieren. Nöö die werden mit diesen Stromnetzen auch den Drecksstrom aus Kohle- und Atomkraftwerken transportieren und vermutlich mehr als mir lieb ist.

3 Gedanken zu „Das Netz, das Netz und das Energieleitungsausbaugesetz

  1. Ralf Hitzel

    Hallo Erhard,

    „Preiskomponente welche den Transportweg berücksichtigt“ ist das realistisch? Das wäre ja ein Rückschritt in die Anfänge der Marktliberalisierung. Hier musste zur Ermittlung der Netzentgelte dem Netzbetreiber vorgerechnet werden mit welchem Windrad auf welcher Spannungsebenen der Strom zu Lieschen Müller ins seinem Netzgebiet durchgeleitet wird. Da war die Einführung der sog. „Briefmarke“ bei den Netzentgelten schon sinnvoll.

    Und um beim Beispiel Post und Briefmarke zu bleiben. Dort akzeptiert auch jeder die 58 ct pro Brief egal wie weit die Transportstrecke ist.

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  2. Rainer

    Hallo Erhard,

    um diese Zusammenhänge überhaupt erklären zu können, müsste ich deutlich meine aktuellen techn. Kompetenzen überschreiten. Doch zunächst einmal Deine Tortengrafik. Hier wird „ausgehandelt“ wie einzelne Kostenfaktoren am Gesamtpreis „beteiligt“ sind. Ob diese Faktoren „fair“ sind, sieht man denen von „außen“ eher nicht an. Dazu müssten erst mal alle Kriterien bekannt sein welche aber lediglich als Ergebnisse bekannt sind.

    Doch womöglich lässt sich das an Hand eines Kohle-KW mal wenigstens teilweise skizzieren. Dabei möchte ich auf den „kaufmännischen Teil“ nicht eingehen. So ist für dieses Beispiel das KW schlicht vorhanden und ich betrachte mal was da „reingefüllt“ werden muss um eine bestimmte Leistung zu produzieren. Um 1 kW „Strom“ über die Zeit zu produzieren, werden mindestens weitere 3 bis 4 kW Kohle dort verbrannt. Also ⅓ bzw. ¼ der thermischen Leistung wird zu Strom. Im übrigen so ähnlich sind die Verhältnisse auch bei einem „normalen KFZ“. Würde ein Liter Benzin 1 : 1 in „Bewegung“ umgesetzt, wäre der Aufwand beim Tanken eben 1 und nicht 3 bis 4 fach höher.

    Jeder bezahlt also sämtliche Verlustleistungen über den Energiepreis mit. In den Strompreis sind alle „Verluste“ sozusagen eingearbeitet. Da im SI (System International) problemlos von “Joule“ nach „Watt“ (und vice versa) umgerechnet werden kann, ist die Bestimmung „vorher – nachher“ und wer beim „Nachher“ wie viel zu bezahlen hat nicht wirklich ein Problem.

    Bei der Übertragung von Energie treten die schon skizzierten Verluste auf (Verluste im Geldbeutel – wie in der Physik – im wahren Leben, ist die „Leistung“ nur bei jemand anderem – es gibt keine „Verluste“). Klar, dafür muss auch der „Endabnehmer“ bezahlen. Wird doch für ihn all das Brimborium erst benötigt. Einsichtig ist auch, in einem Netz müssen die Kosten entweder exakt ermittelt werden oder aber pauschal verteilt werden.

    Auch privaten Abnehmer in einem Netz verursachen in jedem Fall „Rückwirkungen“ in das Netz hinein. Was sich wiederum auf den „Erzeuger“ auswirkt. Das wird NICHT gesondert erfasst ! Weil „AC“ leicht transportier- und „transformierbar“, sind praktisch alle relevanten Netze „Wechselstromnetze“ (Drehstrom weil „dreiphasig“). Wechselstrom hat einige Besonderheiten „in petto“. Um da alles wirklich zu verstehen, ist ein entsprechendes Ingenieurstudium sicher nicht verkehrt. Ich selbst komme einigermaßen „über die Runden“, kann aber eher dieses sehr anspruchsvolle Feld nicht so erklären, dass es jeder Laie verstehen kann.

    Trotzdem ein paar Stichwörter : „Wirkleistung“, „kapazitive Blindleistung“, „induktive Blindleistung“, „cos“ usw. usf. Ein noch halbwegs verständliches Beispiel, Ein el. Heizofen wandelt el. Energie direkt in Wärme um – das wäre „Wirkleistung“. Bezahlt wird was tatsächlich umgewandelt wird. Genau das zählt auch der „normale“ Haushaltszähler. Leider ist aber alles was z.B. einen Elektromotor „verursacht“ keine reine Wirkleistung, ein Teil ist induktive Blindleistung. Leuchtstofflampen – genauer die „Drosseln“ dort sind ebenfalls Verursacher von „induktivem Blindstrom“. All dieser „Blindstrom“ („blinder Passagier) geht sozusagen am Zähler vorbei. Er wird nicht erfasst, verursacht aber dennoch „thermische Wirkleistung“ im Kraftwerk. Dort wir also auch für alles was durch die besondere Natur des Wechselstroms an „Nebenwirkungen“ entsteht schlicht Kohle verbrannt. All das wird mehr oder weniger „fair“ in den Strompreis „eingearbeitet“. Da spielt auch die Länge von Leitungen mal diese und mal jene Rolle.

    Kurz, weil so komplex, kann keiner ohne einen ungeheuren Aufwand (der da auch noch bezahlt werden müsste) klar sagen was eine irgendwo verbratene Kilowattstunde tatsächlich kosten oder gar wo sie tatsächlich herkommt. Nur soviel ist klar, je kürzer die Distanz, desto geringer die Summe aller Kosten und notwendigen Investitionen. Industrielle Großverbraucher „kompensieren“ oder bezahlen „Blindleistung“. Dort lohnt sich die Erfassung über entsprechende Zähler.

    Eine neue Verwendung für den Generator vom AKW Biblis A klingt sicher eindrucksvoll genug um weitere Detailfragen im „Keim zu ersticken“ LOL

    Nachbetriebsphase AKW Biblis
    Da es aufgrund der Abschaltung des Kernkraftwerks Biblis zu vermehrten Problemen bei der Spannungshaltung kommt, wurde durch den Übertragungsnetzbetreiber Amprion und den Kraftwerksbetreiber RWE Power entschieden, den Synchrongenerator des Blocks A für Phasenschieberbetrieb umzurüsten, um den benötigen Blindstrom zu erzeugen.

    Als Phasenschieberbetrieb wird eine Betriebsart der ans Netz synchronisierten Synchronmaschine bezeichnet, bei der ausschließlich Blindleistung aus dem Netz bezogen oder in das Netz abgegeben wird.

    Leider haben diese tatsächlich komplexe Verhältnisse ein sehr hohes „Vertuschungspotential“. Die anstehende Veränderung eines landesweiten Netzwerks ist auf Grund der schieren Größe und der bislang nicht vorhandenen neuen Kraftwerksstruktur, nichts geringeres als ein Paradigmenwechsel. Etwas was durchaus auch „schiefgehen“ könnte. Geradezu beängstigend sind die rücksichtslosen Rückzuggefechte die „unsere“ 4 Monopolisten führen. Ein Systemwechsel der technisch machbar und vernünftig ist, wird aus niederen Beweggründen mindestens unnötig verlangsamt, wenn nicht gar vollständig verhindert.

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