Prokon der Zweite

Ich schreibe heute gleich nochmal was zu den Prokon Veröffentlichungen. Zur PROKON Regenerative Energien GmbH selbst und ihrer sicherlich problematischen Entwicklung kann ich wenig sagen. Ausser, dass mir das Wachstum schon immer sehr suspekt war! Ebenso die Wandlung der Windparks GmbH Kommanditanteile in Genussrechte (wobei ich auch hier die Details nie verfolgt habe!) hat mir nicht gefallen. Was aber momentan in den unterschiedlichsten Medien geschrieben wird kann ich nicht für gut heißen.

Fast alle schreiben von den Kleinanleger die ab 100 Euro sich beteiligen können. Die Betonung liegt auf können. Aus eigener Erfahrung (Solar Bürger Genossenschaft e.G.) wird dieses Angebot kaum genutzt. Bei Prokon wird von 75.000 Anlegern (wieso nicht Bürgern?) gesprochen und einem Kapital von 1.400.000.000 Euro (1,4 Milliarden!). Nach meinem Mathematischen Verständnis sind dies im Durchschnitt je Investor 18.667 Euro. Tut mir Leid aber, unter Kleinanleger verstehe ich was anderes..

Auch der Kommentar von Robert, dass PROKON bereits 2011 verurteilt wurde eine irreführende Werbung nicht mehr zu verwenden, hat aus meiner Sicht nichts mit der momentanen Situation zu tun.

Von vielen wird die „hohe Rendite“ von 6-8 Prozent als masslos dargestellt. Vielleicht hilft da ein Blick auf den Dax von 2013 dort entwickelten sich die Kurse von ca. 7.700 auf 9.500 Euro!Als das EEG im Jahr 2000 entwickelt wurde hatte die Politik eine Verzinsung der Investitionen von 7-7,5 % beabsichtigt. Mir erscheint es deshalb ohne weiteres möglich wenn ein Winkraftprojektierer zwischen 6 und 8 % an seine Geldgeber ausschütten kann. Langfristig jedenfalls…

Zwischen einem Unternehmen und seinen Geldgebern muß ein gleiches Verständnis vorliegen ansonsten passt es nicht und es kommt zum Crash. Prokon hat seine Genußrechte mit einem hohen Zinssatz angeboten. Das Konzept wie diese Zinsen erwirtschaftet werden sollten war/ist klar ersichtlich. Mit langfristigen Investitionen in Windenergie, Biomasse und Biokraftstoffe. Wenn aber die Geldgeber plötzlich in großer Zahl „kalte Füße“ bekommen und kurzfristig ihr Geld zurück haben möchten dann kippt das Finanzierungsmodell des Unternehmens. Ich bin mir sicher, dass viele Energiegenossenschaften in die gleiche Situation kämen wenn in Massen ihre Genossen die Einlagen zurück haben wollten… Wie gesagt ich bin zu wenig im Thema drin aber die „Freunde von PROKON“ (die es auch noch gibt!) beschreiben die Situation eben so.

Es hilft auch nix wenn Rechtsanwälte die Risiken an die Wand malen und letztendlich dazu beitragen, dass mehr als 5 % der Anleger ihr Geld frühzeitig zurückfordern! Umgekehrt heißt dies nämlich, dass 95 % der Anleger die Gelackmeierten sind. Sie sind ja davon ausgegangen, dass ihre Mitgeldgeber ebenfalls langfristig engagiert bleiben wollen… Wenn PROKON in die Insolvenz geht werden die 54 Windparks sicherlich nur einen Bruchteil ihres tatsächlichen Wertes erzielen. Damit ist den jetzigen Besitzern wenig geholfen. Verdienen werden an diesen Geschäften die Geier der Finanzbranche die sich Parks zum Schnäppchenpreis aneignen werden…

Ich finde es schade, dass die Solidarität innerhalb der Prokon Geldgeber anscheinend zu bröckeln beginnt. Eine ruhige Aufarbeitung innerhalb des Unternehmens, wie es die Freunde von PROKON derzeit tun, wäre für das Kollektiv der 75.000 sicherlich rentabler…

6 Gedanken zu „Prokon der Zweite

  1. Rainer

    „Ein gefundenes Fressen ?“

    Mir scheint (unabhängig von den Tatsachen) jede negative Botschaft ist in Sachen „Energiewende“ medialer Aufmerksamkeit sicher. Passt das doch in die überall spürbare Negativdarstellung wenn es im Kern um das EEG und die sich daraus ergebenden Aktivitäten geht.

    In Zeiten wo Otto & Ottilie Mustermann auf dem Sparkonto (abzüglich der Inflationsrate) praktisch Null-Zins erhält, ist alles was deutlich darüber liegt höchst suspekt. Für viele ist sowieso aus „Geld“ noch mehr „Geld“ zu machen – besonders dann, wenn dafür keine „Leistung“ erbracht wird – völlig suspekt.

    Wer sein Geld (so er/sie überhaupt etwas „übrig hat“) auf dem Girokonto liegen hat, hat jedenfalls diese Summe „im Moment“ noch verfügbar. Wer das Geld „anlegt“ ist da keineswegs sooo sicher. Wie wohl dieser Fall zeigen scheint. Dabei richtet das dort investierte Geld wenigstens keinen Schaden an. Was andere „Anlagemöglichkeiten“ durchaus offen lassen.

    Wie sicher ist eine Anlage in einer der inzwischen zahlreichen Genossenschaften tatsächlich ? Mein eigenes Dach ist „voll belegt“, aber alles was mit PV zusammenhängt würde mit „brennend“ interessieren….

    Antworten
  2. Daniel

    Hallo Sonnenflüsterer!
    Du erkennst das schon richtig:
    „Ich bin mir sicher, dass viele Energiegenossenschaften in die gleiche Situation kämen wenn in Massen ihre Genossen die Einlagen zurück haben wollten…“

    …nur haben – im Gegensatz zu Prokon mit der extrem kurzen Kündigungsfrist – die meisten mir bekannten Bürger-Energie-Genossenschaften eine sehr viel längere Kündigungsfrist. In der Satzung deiner verlinkten Solar Bürger Genossenschaft eG steht z.B.:

    (1) Die Kündigungsfrist beträgt fünf Jahre. Sie verkürzt
    sich um die Dauer der Mitgliedschaft bis zu einer Min-
    destkündigungsfrist von zwei Jahren.

    Innerhalv von 2-5 Jahren hat eine Geno dann schon die Chance die nötige Liquidität zu erreichen um die Kündigungen auszahlen zu können: Zum einen aus dem laufenden Umsatz (mindestens die Abschreibung von 5%) – oder durch neue Mitglieder/neue Zeichnungen – oder durch den Verkauf von Anlagenvermögen.
    Eine solche lange Kündigungsfrist macht die Mitgliederwerbung natürlich schwieriger – deshalb hat Prokon wohl darauf verzichtet. Aber dafür kommt man auch nicht so schnell in so eine Situation wie jetzt Prokon.
    Sonnige Grüße
    Daniel

    Antworten
  3. Florian

    Im Sinne der Energiewende hoffe ich auch das Prokon doch noch die Kurve kriegt, eine Insolvenz wäre auch für die anderen Emittenten von Genussrechten ein verheerendes Signal.

    Der Problematik der kurzen Kündigungsfristen sowie den daraus resultierenden Problemen bei der Liquidität kann ich nichts hinzufügen.

    Auch das Prokon über beachtliche Sachwerte verfügt ist nachvollziehbar. Allerdings sind die Windkraftanlagen eher von der älteren Sorte, 302 Windenergieanlagen mit 501,2 MW (Stand am 31.8.2013) ergibt eine Durchschnittsleistung von 1,66MW pro Anlage. Heute üblich sind 2,5-5MW pro Anlage zudem haben aktuelle Anlagen wegen grösseren Nabenhöhen etc. deutlich höhere Erträge auch bei schwächerem Wind, zudem mehr Volllaststunden, sind also profitabler als die älteren Prokon „Mühlen“. Heute baut man 1MW Windkraft für rund 1 Mio Euro, für über eine Milliarde Anlegergelder hätte Prokon neben den Investitionen in Bioenergie bei marktüblichem Wirtschaften mehr als doppelt soviel Windkraftanlagen bauen können. Von den 500MW Windkraftanlagen der Prokon wurden anscheinend rund 400MW 2009 oder früher gebaut, was ist dann passiert? Stand die Fokussierung auf Bedienung der Genussrechte und Ablöse der Bankforderungen, Stütze der Bioenergie und Entwicklung der eigenen Windkraftanlage bereits damals weiteren grossen Investitionen in den Bau modernerer Windkraftanlagen, auch Repowering von Altanlagen im Weg?

    Die der Energiewende eher positiv gesonnene taz berichtete bereits 2010 kritisch über Prokon. Grosse Teile der Anlegergelder (angeblich 2009 über 6%) wurden für Werbemassnahmen verwendet, der Bereich Windkraft erwirtschafte Erträge aber oft unterhalb der Prognosen, der Bereich Bioenergie sei sogar defizitär.

    Antworten
  4. Kilian

    Hallo Erhard,

    mir sind die Rendite suspekt! Ich habe eine Zahl im Kopf, dass ein Windrad an Land in Wirklichkeit ca 3,4,5 % Rendite erwirtschaftet. Wo kommt die Differenz her? Aus neuen Einlagen oder aus Börsengewinnen?

    Herzliche Grüße
    Kilian

    Antworten
  5. Rainer

    Aus für Windparkfinanzierer: Prokon meldet Insolvenz an (Mittwoch, 22.01.2014 – 17:42 Uhr) Das war´s denn wohl

    ZITAT : „Das Unternehmen im schleswig-holsteinischen Itzehoe mit insgesamt 1300 Mitarbeitern ist ein wichtiger Finanzierer von Windparks, investiert aber auch in Bioenergie. Es hatte mit einer festen Verzinsung von sechs Prozent geworben und vielfach bis zu acht Prozent Zinsen ausgezahlt. Das Unternehmen kann nach eigenen Angaben derzeit keinerlei Rück- oder Zinszahlungen leisten.“

    Antworten
  6. Rainer

    Noch mal „PROKON“

    Nachdem ich mich verstärkt mit „nach Oben offenen“ prozentualen Versprechen befasst habe – da ist von 8% die Rede – komme ich zu den unausweichlichen Schluss „Prozentrechnungen“ gehören eindeutig nicht zum allgemein verbreiteten Basiswissen. Dabei meine ich durchaus nicht die Frage „wie ist das prozentuale Verhältnis von X zu Y“.

    Die „Falle“ besteht darin, einen zeitlich „unbegrenzten“ Prozentsatz als „Ziel“ zu nennen. Wie unsinnig dies ist, kann jeder daran sehen was wohl inzwischen „angewachsen wäre“ falls jemand einen römischen „Aureus“ 31 v. Christus auf seinem Konto angelegt hätte zum mageren Zinssatz von 2 %. Ich spare mir die Rechnung, schon deswegen, weil alles daran völlig unrealistisch ist.

    Doch wie realistisch sind „Erträge“ wie 8% auf eine Einlage bei PROKON ? Wie schon an anderer Stelle gesagt, ist es einfach sehr genau abzuschätzen, wann sich das Basiskapital verdoppelt hat (so der Anleger bis dahin NICHTS entnehmen wird). 70 / 8 = 8,75 also höchsten nach ca. 9 Jahren hat sich das gesamte Kapitel von PROKON verdoppelt – allein durch den erzielten Zinseszins ! Geld – auch Fiat-Geld genannt – existiert längst völlig „losgelöst“ von realen Werten. Dumm nur, PROKON hat reale Werte die so jedenfalls nicht auf einem imaginären Bankkonto „liegen“ – schon weil eine Bank (jedenfalls meines Wissens) keine 8 % zahlen würde.

    Was nun zu einem „realen Wert“ verkauft werden kann, sind Fabrikationsstätten, bereits existierende Windmühlen und „Ertragserwartungen“ für eben diese.

    Wer nun seinen „Ertrag“ vorzeitig „entnimmt“ und nicht wenigsten abwartet bis die Verdoppelung eintritt, „entnimmt“ einen völlig fiktiven Betrag, der nun nichtmehr Teil der Ansammlung sein kann.

    Eine echte Veränderung (dessen prozentuale Entwicklung im Nachhinein erst feststeht) ist materiell – Geld – besonders „Fiat – Geld“ ist völlig immateriell – heute nix anders als Bit und Bytes in irgendwelchen Datenbanken – einmal „Delete“ drücken und alles ist weg…. Klar, wichtig ist wohl auch „welcher Typ Geld“ zählt da.

    Ach ja 2011 betrug der Vergütungssatz für 1 kWh = 0,2874 € – ich habe den Iflationsrechner mal etwas „manipuliert“ und historische Werte (1949 bis 2012) angenommen um mit halbwegs realistischen Inflationsannahmen zu rechnen nach den so möglichen 63 Jahren beträgt die „zukünftige Kaufkraft“ gerade noch 0,061617 € aber der „zukünftige Preis“ 1,340525 € (wobei die tatsächliche Ressourcenentwicklung keine Beachtung findet).

    Beim Geld wirkt ein Regulativ – Inflation – dem theoretischen „Endwert“ entgegen. „Fühlbar“ allerdings nur in weit größeren Zeiträumen. Innerhalb von 9 Jahren wäre eine Hyperinflation als „Korrektiv“ notwendig…. Die Frage sollte also sein, kann ein einzelnes Unternehmen tatsächlich seine „Realwerte“ tatsächlich derartig steigern – womöglich über längere Zeiträume hinweg ? Eher wohl nicht, in einem „begrenztem“ Umfeld (Planet Erde) ist alles sehr, sehr „endlich“.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.