Sperrzonen Pripjat und Tschernobyl

Ich hab mal wieder angefangen aufzuräumen. Dabei ist mir ein Bildband von Robert Polidori den ich von Ralos zu Weihnachten 2004 geschenkt bekommen haben in die Hände gefallen. Er hat in seinem Bildband Bilder aus Tschernobyl 15 Jahre nach der Katastrophe aufgenommen. Die Bilder haben mich schon immer sehr stark beeindruckt. Zum Beispiel ein Bild eines Versammlungsraums der 15 Jahre später noch die Stühle so stehen hat als ob die Zuhörer grad in Pause gegangen wären. Man sieht dem Bild allerdings die 15 Jahre an.

Im Netz stehen viele Bücher von Robert Polidori deshalb verzichte ich auf das einscannen.

Bei den Bildern 15 Jahre danach stelle ich mir immer vor wie haben diese Orte einen Tag vor der Katastrophe ausgesehen? Vor der Katastrophe war Tschernobyl ja eine unbekannte Stadt für die meisten Menschen jedenfalls und wer hätte dort die Bilder machen sollen und selbst wenn jemand die Bilder gemacht hat, dann ist die Frage ob er die Bilder „auf der Flucht“ aus Tschernobyl mitgenommen hätte… Aber den Menschen in Tschernobyl muß es vor der Katastrophe ja wirtschaftlich sehr gut gegangen sein. Denn jahrelang gutes Einkommen aus dem Atomkraftwerk muss den Arbeitern und Ingenieuren zu einem gewissen Wohlstand verholfen haben.

In Biblis ist es ja ähnlich seit ca. 40 Jahren profitieren die Menschen in Biblis von den zwei Blöcken. Das hat sich sicherlich auf die Infrastruktur positiv ausgewirkt. Da über kurz (hoffentlich) oder lang die beiden Blöcke abgeschaltet werden befürchten viele eine dramatische Verschlechterung der Einnahmen der Stadt Biblis. Aber natürlich auch der jetzigen Arbeiter und Angestellten. Selbst die Infrastruktur Bäcker und Metzger sollen nach dem Abschalten der Blöcke A und B weniger verdienen.

Landrat Wilkes hat ja schon angekündigt:

„Dank einer Sonderregelung könnten sogar Fördermittel für Biblis und die Nachbargemeinden aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) abfallen. Falls das Kernkraftwerk Biblis während der Laufzeit der Förderperiode bis 2013 abgeschaltet wird und dadurch erheblich Arbeitsplätze wegfallen, wird der Standort mit den strukturschwächere Landesteile im ländlichen Raum gleichgestellt. „

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Man erwartet also nach dem abschalten der Atomkraftwerke in Biblis einen „Verfall“ der Stadt von einer blühenden Gemeinde in einen strukturschwachen Landesteil!

Wenn dies tatsächlich so kommen würde ist mir dann wieder eingefallen, dann wird dies auch am Erscheinungsbild der Gemeinde Biblis sichtbar sein. Nur dann hat wieder keiner Bilder (s. Homepage) die Biblis zu seiner Blütezeit zeigt. Um etwas zu bewerten braucht man ein vorher/nachher Bild. Ich hab mich deshalb entschlossen Biblis in der Blütezeit nach 40 Jahren Atomkraftwerk mit meiner Digitalkamera zu dokumentieren.

Da momentan noch Schnee liegt hab ich mir gedacht ich fotografiere morgen mal die Kath. Kirche St. Bartholomäus. Denn bisher hab ich nur Bilder im Sommer aufgenommen. Von dieser Kirche gingen ja auch die meisten Anti-Atom Demos aus. Wenn ich natürlich bei Bäcker und Metzgerläden vorbei komme fotografier ich die auch. Schließlich ist Biblis ganz schön groß und der Wohlstand nach 40 Jahren will gut dokumentiert sein. Vermutlich wird die Dokumentation auch an einem Tag von einer einzelnen Person nicht herzustellen sein. Hoffentlich ist gutes Wetter damit die Bilder was werden.

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