Photovoltaik und Kaffeesatz

Raloshistory 6.3.2008

Die Mengen-Planung bei traditionellen Techniken, werden in der Regel aus der Vergangenheit in die Zukunft übertragen. Bei der noch jungen Branche der Photovoltaik funktioniert diese Art der Planung noch nicht und wäre mit Kaffeesatzleserei zu vergleichen. Weitaus professioneller geht die Schweizer Bank Sarasin seit vier Jahren an das Problem heran. Zur Information der Bankenszene erstellt Sarasin jährlich eine Nachhaltigkeitsstudie über die weltweite Photovoltaik Entwicklung. Sarasin untersucht die komplette Prozeßkette der Branche vom Siliziumhersteller, über die Waferhersteller, zum Zellenproduzenten und den Solarmodulherstellern.
Anhand konkreter Entwicklungszahlen der großen Playern in der Solarszene erstellt Sarasin eine Studie bis zum Jahr 2010. Aufbauend auf dieser Studie erstellt Sie eine Langfristprognose bis zum Jahr 2020. Mir liegen die Nachhaltigkeitsstudien der Jahre 2005 – 2007 vor. Diese Sarasin Studien möchte ich näher beleuchten. Um die Bedeutung solcher Studien zu belegen möchte ich als erstes die Langfristprognose für den jährlichen Zubau von Solarstromanlagen darstellen.
Sarasin Studien
Die Sarasin Studie 2005 erwartete für das Jahr 2020 eine jährlich neu Installierte Photovoltaikleistung von 15.700 Megawatt (MW). Gerade mal zwei Jahre später prognostiziert die Schweizer Bank für das gleiche Jahr 65.000 MW neu installierte Solarstromleistung. Auf den ersten Blick ist das halt das v

Vierfache wie vor zwei Jahren prognostizierte. Wenn man aber genau hinschaut, dann erkennt man, daß diese 50.000 MW nun mal äußert konservativ gerechnet (ein kWp ca. 2.000 Euro) ein Umsatz von 100 Milliarden Euro bedeuten. Wohlgemerkt mehr Umsatz als vor zwei Jahren prognostiziert. Zur Verdeutlichung – derzeit hat die Volkswagen AG 100 Milliarden Umsatz. Da selbst diese (meiner Meinung nach) seriöse Studie anscheinend enorme Probleme hat die Dynamik dieser jungen Branche vorherzusehen, ist es nicht verwunderlich wenn in der derzeitigen politischen Diskussion des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) die Bedeutung der Photovoltaik falsch eingeschätzt wird. Die Politik nimmt PV so wie alle erneuerbare Energien immer noch als Belastung wahr. Es wird Zeit, daß auch die Politik zur Kenntnis nimmt, daß erneuerbare Energien die Arbeitsplätze für uns und unsere Kinder sein können. Wir brauchen klare Entscheidungen pro Photovoltaik und Beständigkeit in den politischen Leitlinien.
Der Schweizer Bank Sarasin kann man keinen Vorwurf machen, die dynamische Entwicklung der Branche kann meines Erachtens nicht vorausberechnet werden.
Aber wir können bei einem Kaffee sicherlich gemeinsam über die stürmische Entwicklung der Photovoltaik hier in diesem Block diskutieren. Auf gehts!

Ein Gedanke zu „Photovoltaik und Kaffeesatz

  1. Rainer

    Wie realistisch ist eine solche Produktionsvoraussage ?

    Geld, das scheint mir eine völlig überschätzte „Größe“. Doch um dessen tatsächlichen Wert näher zu bestimmen fehlt es mir schlicht an der notwendigen Kompetenz. Nur soviel – wie viele „Planeten“ Modell Erde würde man benötigen um die derzeitig vorhandene Geldmenge zu repräsentieren ? Sind es 10 oder mehr oder weniger ?

    Bemühungen „EE-Maschinen“ zu erzeugen sind derzeit noch an die Existenz von „Nicht Erneuerbare Energie“ gebunden. Bei Volker Quaschning findet sich dazu „Energieaufwand zur Herstellung regenerativer Anlagen“ für PV vom Typ PV abhängig eine Reihe von Ergebnissen zum „Kumulierter Energieaufwand in kWh/kWp für die Photovoltaik“.

    Wer möchte kann das HIER nachlesen Er schreibt da „Durch rationellere Herstellungsverfahren ist der Energieaufwand in den letzten Jahren deutlich gesunken.“ Welche Technologie(en) in diesen Zahlen zukünftig enthalten sind, ist genauso „spekulativ“ wie Annahme es seien „50.000 MW“ „Peak“ nehme ich einmal an = 50 GWp ist gemeint oder in kWp = 50.000.000

    Weil ich genauso wenig in die Zukunft sehen kann, habe ich mir mit “Ito et al. 2010“ und einem (max.) Durchschnittswert aller 4 Technologien „geholfen“ = 9.270 kWh pro 1kWp. Nun ja, nach der dazu notwendigen Dauer, werden PV-Anlagen selbst neue PV-Anlagen „erbrüten“. Doch zunächst die Multiplikation, welche den zur Produktion dieser 50 GWp erst mal notwendig sind :

    9.270 kWh/kWp * 50.000.000 kWh = 463.500.00.000 kWh = 463,5 TWh was in etwa 76% des dt. „Bruttostromverbrauchs“ 2010 war. Nur um einmal eine Größenvergleich zu haben. Dabei habe ich nicht berücksichtigt, all die 6 Jahre davor wurde ja jährlich ebenfalls fleißig jährlich steigende PV-Produktion prognostiziert.

    Um auch das andere Extrem zu verdeutlichen hier die selbe Rechnung mit den Minimalwerten :
    7.555 kWh/kWp * 50.000.000 kWh = 377.750.000.000 kWh = 377,8 TWh was in etwa 62% des dt. „Bruttostromverbrauchs“ 2010 war.

    Das soll nun keineswegs negative Gefühle erzeugen. Doch wie lange können „wir“ weltweit weiter „nicht erneuerbaren Strom“ produzieren, wann wird die Produktion von neuen EE-Maschinen und der weltweite Bedarf an el. Leistung in direkte „Abwägung“ kommen ? Leider ist die „Rechnung“ da oben noch keineswegs vollständig. Irgendwelcher „Stromverbrauch“ der noch nicht aus EE kommt, ist ja nur weniger als die „halbe Miete“.

    Sehr gute fossile Kraftwerke verwandeln Gas in Strom, auch Kohle (jedenfalls die modernsten) schaffen (je nach Berechnungsmethode) aus einem Teil Kohle wenigstens 1/3 Strom zu produzieren. So könnte – muss man – die o.g. Leistung in das Äquivalent der tatsächlich „verbratenen“ fossilen „Leistung“ umrechnen. Grob überschlagen wir also das Dreifache daraus : max. 1.391 TWh, min. 1.133 TWh repräsentieren 50 GWp Zubau in 2020 – irre dabei werden „im Normalfall“ 927 TWh bez. 756 TWh einfach nutzlos in Wärme umgewandelt ! Von den damit verbundenen CO2 „Emissionen“ mal ganz abgesehen.

    Das könnten unsere Dummbabbler doch glatt als „Gegenargument“ nutzen – soviel kostet also EE !! – dumm nur, jedes fossile Kraftwerk benötigt ebenfalls zu seiner Errichtung noch größere Energiemengen und da deren „Ernte“ ohne ständige weitere „Kraftstoffzufuhr“ leider keine Energie liefern kann (um z.B. sich selbst energetisch zu amortisieren), ist der „Erntefaktor“ stets „kleiner Null“. Aus bereits „energetisch abgeschriebene“ EE können also ohne die „beiläufigen Verluste“ weitere neue PV, WKA usw. „erbrütet“ werden. So man diese vor einem bestimmten, alles entscheidenden Zeitpunkt gebaut hat.

    Im Grund würden rational denkende Menschen damit nix anderes tun, was mindestens bei der Nahrungserzeugung längst mit „solarer Hilfe“ geschieht – immer Neues aus dem Vorhanden schaffen – jedenfalls solange die Sonne noch existiert. „Natur“ macht das nun schon ein Weilchen – wie lange wird „uns“ noch bleiben, bevor „wir“ 7 Milliarden erkennen müssen, das „Fass“ ist zwar noch nicht wirklich leer, aber der verbleibende Inhalt reicht nur noch für sehr wenige….

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