Prokon – Mitarbeiter + Verpächter

Die „Freunde von Prokon“ kämpfen! Es scheint diesen Menschen um mehr zu gehen als „nur Rendite“. Es ist eine Idee die von der Firma Prokon seit fast 20 Jahren propagiert wird. Wer sich Prokon auf Wikipedia anschaut erfährt viel über die Zeit 2010 bis heute aber die Anfänge werden nicht näher Beleuchtet.

Prokon war als Windparkprojektierer immer außergewöhnlich und einer der ersten der Genussrechte statt Kommanditbeteiligung anbot. Ich als Investor fand diese Art der Beteiligung nicht gut und die Art und Weise wie Prokon Kommanditisten in die Genussrechts-Beteiligung drängte geht mir heute noch gehörig auf den Keks.

Aus anderen Projektierern die auch erfolgreich Windpark GmbH&Co. KG Gesellschaften gründen kenne ich aber auch das Problem dieses Finanzierungsmodells. Jede GmbH&Co. KG braucht ihre eigene Gesellschafterversammlung. Die Kommanditisten erwarten vom Firmengründer, dass er sich dieser Versammlung stellt. Was für diesen bedeutet, er geht an vielen Abenden des Jahres auf eine Gesellschafterversammlung und erklärt warum der Wind weniger war wie prospektiert. Warum das Getriebe getauscht werden soll. Warum die Direktvermarktung des Windstroms so wichtig ist. Warum die Windräder immer still stehen und und und…

Ich nenne nur zwei Firmen Abo Wind und solarcomplex die mit der GmbH&Co.KG Finanzierung begannen und sich ebenfalls umorientierten. Für ein stetig wachsendes Unternehmen ist die GmbH&Co.KG kein adäquates Mittel um viele Projekte zu finanzieren.

Die Lösung waren Genossenschaften und kleine Aktiengesellschaften. Prokon ging einen anderen Weg, der aber auch (gemessen an dem Zulauf der Geldgeber) erfolgreich war.

Trotzdem muss man sehen, dass Prokon in einer Zeit (1995) entstand in der die Geldgeber neben dem finanziellen Anreiz einen ökologischen Ansatz hatten. In dieser Zeit wurde in Baden Württemberg dem verteufeln von Windkraft noch ordentlich das Wort geredet. Es waren die gleichen Politiker der CDU die gegen Windkraft agierten die mit den Stromversorgern balancierten und am Ende daraus die EnBW machten. Ich würde gerne mal wissen wie viele sparsame Schwaben in dieser Zeit Prokon ihr Geld (als Protest gegen EnBW/Politik) anvertrauten um sauberen Strom zu produzierten.

Dieser ökologische Ansatz ginge jetzt verloren wenn die Prokon Geldgeber jetzt sich von der EnBW auszahlen lassen. Ihr ideologisches Ansinnen wäre auf den Kopf gestellt.

Ich möchte aber auch zwei weitere Personengruppen beleuchten.
Zum einen die Mitarbeiter die sich sicherlich zum Großteil diesem ökologischen Ansatz verbunden sehen. Natürlich gibt es die Mitarbeiter die sich sagen, egal wer mein Arbeitgeber ist, Hauptsache am Monatsende liegt die Kohle auf meinem Girokonto. Ich rede aber von denen die Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte für eine andere Stromversorgung gearbeitet haben. Sicherlich mit einem niedrigeren Gehalt wie bei EnBW (Tarifvertraglich geregelt) gezahlt wird. Was mag in diesen Mitarbeitern momentan vorgehen wenn sie, abhängig von den jetzigen Geldgebern, eventuell an einen Konzern verschoben werden der mit Atomkraftwerken und Kohlekraftwerken sein Geld macht. Der Vernetzt ist in die Politik und in die Bankenwelt. Alles Dinge die bei der „alten Prokon“ nicht gewünscht war und von der Belegschaft mitgetragen wurde.

Was sollen Grundstückseigentümer denken, die einen Pachtvertrag mit der „alten Prokon“ geschlossen haben, in der Meinung sie wollen es den „großen vier“ zeigen? In den ersten zehn Jahren von Prokon war es noch normal wenn ein Grundstückeigentümer auf die Projektierer mit einem Grundstücksauszug zukam und um die Installation eines Windparks bat. In den letzten 10 Jahren war es umgekehrt. Die Planer bewarben sich beim Grundstückseigentümer (oft mehrer gleichzeitig) um die Standorte.
Warum haben sich so viele Grundstückeigentümer bei der alten Prokon wohlgefühlt?
Auch hier sicherlich gibt es viele bei denen die Höhe der Pacht ausschlaggebend war, aber ebenso viele war es der „Spirit von Prokon“. All denen würde bei einem Verkauf der „Prokon“ demnächst ein Brief ins Haus flattern.
In alle Ihren Fragen ist die EnBW zuständig…
Wenn ich Mitarbeiter bei Prokon oder Verpächter eines Grundstücks an Prokon wäre, in beiden Fällen wollte ich nicht, dass meine Geldgeber nur ihren Reibach im Sinn haben. Die Geldgeber sollten sich dieser Verantwortung bewusst sein.

Ich glaube die Eigentümer der Prokon haben nicht nur die Entscheidung bezüglich ihres Investments zu tragen. Sie haben auch eine Verantwortung den Mitarbeitern und den Grundstückseigentümern gegenüber. Nicht alles kann mit Geld ersetzt werden und die ursprüngliche Idee von Prokon, kann am besten in einer Prokon Genossenschaft weiterleben.

Ein Gedanke zu „Prokon – Mitarbeiter + Verpächter

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