Framersheim

Es dauert bei mir momentan alles etwas länger. So auch mein Bericht über die Beendigung meines finanziellen Engagements am Windpark Framersheim. Diesen Bericht hab ich ja bei meinem Tabula Rasa Artikel Anfang April schon angekündigt. Die Gemeinde Framersheim hat im Jahr 2015 für Furore gesorgt, als ein Sturm innerhalb von kürzester Zeit einige Häuser zerstörte.

Zu diesem Zeitpunkt waren die zwei Windräder „meiner“ Kommanditgesellschaft aber schon demontiert und die Gesellschaft in Auflösung. Organisiert wurde der Windpark von der Abo Wind AG aus Wiesbaden mit deren Betriebsführung ich vollauf zufrieden war. Von Beginn an fand eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen dem Projektierer und uns, den Geldgebern statt. Engagiert hab ich mich damals (1997) weil die Windenergie in Südhessen nicht voran kam. In Südhessen sind wir leider immer noch auf dem Niveau von damals…Aber…
Wir argumentieren weiter…

Windkraft ist auch im südlichsten Zipfel von Hessen machbar…

Wenn ich an Framersheim denke fällt mir immer die erste Gesellschafter Versammlung ein. Scannen0002Framersheim ein kleiner Weinort, bestes Sonnenwetter und wir Gesellschafter sitzen im Zelt in der Nähe der Windräder. Erhard freut sich auf ein/zwei Gläschen Wein und eine gemütliche erste Gesellschafterversammlung. Doch es kam anders. Der Ertrag der Windräder war zu gut. Wenn ich mich recht erinnere waren es gut 10% mehr Kilowattstunden die von den beiden Windrädern geliefert wurden, wie im Prospekt angekündigt. Statt ein Gläschen Wein mehr zu trinken ging die Diskussion der Geldgeber los.

Die einen wollten den Mehrertrag sofort ausgeschüttet habe!
Andere wollten den Mehrertrag in der Gesellschaft behalten und längerfristig zu einem „guten Zinssatz“ anlegen und das dritte Drittel wollte vorzeitige Tilgung der „zinsgünstigen“ Darlehen. Wahrlich tolle Luxusprobleme die unsere damalige Gesellschaft hatte. Leider hatten wir in den nachfolgenden Jahren nie wieder diese „komplexen“ Diskussionen zu führen, denn so ein tolles Windjahr sollten wir nicht mehr erleben. Mir zeigte die Diskussion (neben den ein/zwei Gläschen die ich mehr getrunken habe!), dass es wichtig ist nicht nur zu schauen wer hat das Projekt entwickelt, sondern auch mal zu schauen, wer investiert denn die Windräder. Es macht keinen Sinn Menschen mit unterschiedlichsten Interessen in eine Gesellschaft zu packen.

Diese Erfahrung gilt auch in Zukunft, wenn die Bürgerenergie aufgrund des vermurksten EEG2017 nach neuen Wegen sucht. Kilian Rüfer mein Energieblogger Kollege von Sustainment hat aktuell dazu geschrieben.

Eine weitere Erinnerung kommt mit Framersheim automatisch hoch. Mein einziges Autogramm was ich mir von einem „Promi“ hab geben lassen. Scannen0001

Ein Gruß aus Biblis von Joschka Fischer!

So etwas Spektakuläres wie Joschkas Wahlkampfauftritt in Biblis hab ich nie wieder erlebt. Er hatte zum Wahlkampfauftakt nach Biblis in die Turnhalle geladen und alle kamen. Mit alle kamen meine ich die gut 1.000 Mitarbeiter aus dem AKW Biblis. Die kleinere Anhängerschar des grünen Politikers ging in dem Getröte der schäumenden Belegschaft unter. Alle Redner wurden von den Mitarbeitern gnadenlos niedergeschrien ohne dass eine Kommunikation möglich war. Priska Hintz die heutige hessische Umweltministerin aber auch Ralf Löffler mein Vorsitzender im Solaranlagenverein Bensheim waren chancenlos. Ich jedenfalls verstand von beiden kein einziges Wort im AKW-Mitarbeiter Gebrüll.

Aber dann kam Joschka. Ein Satz von ihm und die Leute hörten ihm zu. Wie er dies schaffte ist mir bis heute ein Rätsel. Er schaffte es dass die Menschen leise waren und ihm zuhörten.
Ein genialer Schachzug war zu sagen ich kenne eure Gefühle beim demonstrieren und dass meine Argumente nicht gehört wurden. Ich selbst habe oft gegen Atom Demonstriert und eure Vertreter haben auf dem Podium gesessen. Deshalb bitte ich euren Betriebsratsvorsitzenden hoch auf die Bühne (er macht den Job heute noch) damit wir gemeinsam diskutieren können. Den Mut hatte der Vorsitzende aber nicht! Trotz der übermächtigen Mehrheit von Menschen die pro Atom brüllten. Danach hat Joschka seine Argumente abgespult. Eines nach dem anderen. Jedes mit einem wütenden Pfeifkonzert am Schluss begleitet. Völlig aus dem Häuschen waren die Mitarbeiter als Joschka sagte „wenn die Grünen die Mehrheit bekommen würde das Atomkraftwerk abschalten“. Da war die Stimmung in der Halle auf dem Höhepunkt!

Meine Achtung vor Joschka ist in diesem Moment in’s unendliche gestiegen. Nachdem seine Rede geendet hat und die Demonstranten in die nächste Kneipe abgewandert waren, hab ich mich an den Bodygard vorbeigeschlichen und mir mein Autogramm von Joschka geholt.

Dass die Probleme der Windkraft bis heute die Gleichen sind lässt sich am Zeitungsbericht vom 18.9.1997 aus der Wormser Zeitung ablesen. In der Bildunterschrift heißt es:

Scannen0003„Trotz der Unsicherheit angesichts der beabsichtigten Novellierung des Stromeinspeisegesetzes planen Investoren (da meinten die mich 🙂 ) eine Windkraftanlage bei Framersheim in Rheinhessen“.

Wir haben nicht nur geplant! Wir haben gebaut, finanziert, betrieben, repariert, gefeiert, abgebaut, repowert, verkauft und nochmal gefeiert. Die einfache Botschaft: Windkraft funktioniert!

Ich war mit dem Windpark Framersheim rundum zufrieden. Schade dass er Vergangenheit ist.

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