Sonnenwand Solarstromgegner schüren Ängste (3)

(Fortsetzung) Wenn ich jetzt zwei Jahre später über das abgelaufene schreibe, brauche ich wirklich ab und zu eine Pause. Die Anfeindungen gingen weiter und ich habe inzwischen anonyme Briefe und Zettel am Auto mit Beschimpfungen gehabt. Sicherlich sind diese Widerstände nicht nur allein der Photovoltaikwand geschuldet denn ich bin einer der letzten bekennenden Atomkraftgegner in der Nähe (8 km) vom Atomkraftwerk Biblis. (deren Tage gezählt sind…)

Das tut vielen weh. Richtig weh…

Nach dem Info abend der Anwohner wurde als erstes die Politik aktiv. Ein Abwahlversuch der Umweltausschuss Vorsitzende durch die Opposition scheiterte an der Mehrheit der CDU im Parlament. Allerdings stand zufällig bereits eine Woche später bei der CDU eine Klausurtagung auf dem Terminkalender. Nach dieser Klausurtagung verabschiedete sich Frau Schöcker aus dem Bürstädter Parlament.

Mitte April 2007 fand eine lustige Veranstaltung statt. Leider war ich beruflich (damals noch Daimler) verhindert und konnte nicht vor Ort sein. Ich hatte angedroht das Theater zu filmen und auf Youtube zu stellen. Die ganze Aktion muß einfach genial gewesen sein. Die Stadt Bürstadt hat aus Sperrholzplatten (die grün angestrichen waren) die verschiedenen Gebüschhöhen dargestellt und wollte mit den Anwohnern die möglichen Bepflanzungen besprechen.

Lärmschutzwand mit Photovoltaik und Sichtschutzbepflanzungs Test

Die Anwohner ließen aber nicht mit sich reden und boykottierten die Veranstaltung… Das Bild wurde in einem Artikel der Photon 4/2008 veröffentlicht.

Dafür gabs dann Ende Mai 2007 die Medienwirksame Übergabe von knapp 60 Unterschriften der Bürgerinitiative gegen die Photovoltaikanlage. Die Anwohner befürchten Reflexionen, von Schall Licht und Hitze und damit “erhebliche Beeinträchtigungen unseres persönlichen Lebensumfeldes”. Für Kinder wären die Solarmodule ein “ideales Klettergerüst” (Spielgeräte wollten die Anwohner nicht wegen dem Kindelärm!). Einer der Höhepunkte war aber die Sichtschutzbepflanzung erschwere die Aufsicht der Kinder und “bietet auch zwielichten Gestalten ein ideales Betätigungsfeld” und “man muß sich nicht wundern wenn die Kriminalitätsrate steigt“. Ausserdem wurde der Stadt unterstellt sie hätte schon zwei Jahre von der Photovoltaikanlage gewußt.

Am 29.5.2007 lud der Südhessen Morgen zu einem öffentlichen Streitgespräch am “MorgenMobil” ein. Wie immer war ich Gesprächsbereit und bin locker zum Streitgespräch gegangen. Vor Ort mußte ich jedoch feststellen die Gegenseite kam mit einem Rechtsanwalt zum Gespräch. Da ist mir doch glatt das Gesicht eingeschlafen… Dank der Moderation des Südhessen Morgen und der positiven Stellungnahmen von Bürgermeister Alfons Haag (CDU) und Alexander Bauer (CDU Fraktionschef) verlief das Streigespräch “kultiviert” von einigen Buhrufen und höhnisches Gelächter mal abgesehen. Der Rechtsanwalt drohte aber bei Umsetzung der Sonnewand mit einer Normenkontrollklage wenn nicht sogar mit einer Schadensersatzklage.

Ende Juni 2007 fand eine Bauausschußsitzung statt für die wir (Armin Hambrecht, Fa. SolarArt) Gutachten beibringen mussten. Derweil mobilisierte die Bürgerinitiative weiter mit den tollsten Geschichten:

“Durch das ideale Klettergerüst für Kinder seien schwere Verbrennungen, Stromschläge und Knochenbrüche sowie Augenschäden vorprogrammiert.”

“Die geplanten Hecken geben z.B. Drogensüchtigen, Obdachlosen ein gutes Versteck”

Politisch hat für mich gesprochen, daß kurz zuvor eine Biogasanlage genehmigt wurde obwohl auch dort eine Bürgerinitiative mit angeblich 1.600 (von 16.000 Einwohner) Unterschriften dagegen war. Was sollten also 60 Unterschriften erreichen?

Ich beschreibe die ganze Sache bewußt so ausführlich auch um jedem aufzuzeigen, daß die ganze Geschichte nicht einfach so abläuft. Dieser Druck der aufgebaut wird den habe ich nie so einfach abschütteln können. Nur wenige haben mich konkret angesprochen und Mut gemacht. Vor Ort kam ich mir oft ziemlich allein vor und der Erfolg läßt lange auf sich warten. Zwei Jahre sind eine lange Zeit…

für eine Photovoltaikanlage an einer Lärmschutzwand…

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