Ist PV Eigenverbrauch ungerecht?

Zu diesem Thema habe ich schon einmal geschrieben aber diesmal möchte ich provokativ feststellen wir Eigenverbraucher von Solarstrom werden ungerecht behandelt. Wir liefern Strom (z.B. 1 kWh) in das öffentliche Netz und wenn wir diese 1 kWh etwas später wieder aus dem Netz entnehmen zahlen wir mehr wie wir bekommen haben. Ich empfinde dies zumindest als ungerecht da ich das Invest für die Produktionsanlage getätigt habe und auch das Risiko trage. Wie ich im Detail zu dieser Aussage komme möchte ich anhand einer Umfangreichen Präsentation demonstrieren:

Zu jeder Folie habe ich eine kurze Erläuterung. Sollte ich etwas falsch sehen würde ich mich über Rückmeldungen freuen.

Folie 1: Auf dieser Folie sieht man die drei Ebenen die eine Rolle spielen. Oben links das Mittelspannungsnetz (braune Linie) die in der bisherigen Welt (ohne Erneuerbare Energien) immer den Strom an das Niederspannungsnetz (lokale Netz in grün) an einer Übergabestation anlieferte. Die Bewohner der Häuser waren „nur“ Verbraucher keine Erzeuger.

Folie 2: Jetzt gibt es aber plötzlich Verbraucher die auch Storm erzeugen möchten! Das Haus unten links installiert eine Photovoltaikanlage.

Folie 3: Wenn jetzt die Sonne scheint…

Folie 4: produziert diese Photovoltaikanlage…

Folie 5: eine Kilowattstunde Strom.

Folie 6: Dies bedeutet, dass eine Kilowattstunde Strom weniger vom Mittelspannungsnetz abgenommen wird!

Folie 7: Diese eine Kilowattstunde „versickert“ im regionalen Niederspannungsnetz. In irgendeinem der Häuser wird diese Kilowattstunde verbraucht. Wer diesen Solarstrom verbraucht kann nicht festgestellt werden. Wichtig ist aber, dass der Solarstrom so lange im Niederspannungsnetz verbraucht wird, bis die Summe aller Solarstromproduktionen, den momentanen Stromverbrauch überschreiten. Erst dann würde ein Stromexport in das übergeordnete Mittelspannungsnetz erfolgen. Diese Betrachtung schalte ich erst einmal aus, weil diese Situation derzeit noch nicht (zumindest bei mir in Bürstadt) und wenn dann nur wenige Stunden im Jahr vorkommen könnte.

Folie 8: Jetzt schauen wir uns den Stromverbrauch im PV-Haus an der in der Nacht erfolgt.

Folie 9: Wenn jetzt Strom benötigt wird kann der Solarbetreiber den Strom nicht von der PV Anlage beziehen!

Folie 10: Dieser Strom wird aus dem lokalen Stromnetz bezogen und …

Folie 11: diese Kilowattstunde Strom muss aus dem Mittelspannungsnetz bezogen werden.

Folie 12: Hier möchte ich eine Bilanz des Stroms vornehmen.

Folie 13: Unbestritten wurde eine Kilowattstunde vom Mittelspannungsnetz geliefert.

Folie 14: Eine Kilowattstunde wurde von einem der Verbraucher im Niederspannungsnetz verbraucht!

Folie 15: Der Bewohner des „PV Hauses“ hat eigentlich keine Kilowattstunde verbraucht die irgendjemand geliefert hat! Er hat eine Kilowattstunde eingespeist und eine entnommen. In Summe null Kilowattstunden!

Folie 16: Jetzt möchte ich die Transportbilanz aufstellen.

Folie 17: Die Solarenergie wurde direkt vor Ort, regional auf die Solarmodule angeliefert 🙂 !

Folie 18: Die produzierte Kilowattstunde wurde im Niederspannungsnetz transportiert.

Folie 19: Verbraucht wurde diese Kilowattstunde regional, vor Ort in einem elektronischen Gerät.

Folie 20: Nachts muß natürlich der benötigte Strom im „PV Haus“ vom Mittelspannungsnetz ins Niederspannungsnetz transportiert werden.

Folie 21: Was wurde jetzt eingespart?

Folie 22: Das Mittelspannungsnetz musste nur eine Kilowattstunde Strom liefern. Wir ersparen uns also „Übertragungskapazität“ denn dieser Strom wird ja von irgendwoher geliefert. Aus meiner Sicht, ist dies eine echte Einsparung!

Folie 23: Jetzt möchte ich eine Kostenbilanz aufstellen. Der Einfachheit halber habe ich den lokalen Netzbetreiber mit dem Energieversorger gleichgesetzt. Denn wenn ich jetzt noch die unterschiedlichen Stromlieferanten ins Spiel bringen wird es wieder unübersichtlich und genau dies wollen ja die großen Konzerne. Strom soll nicht durchschaubar sein…
Der Stromverbraucher zahlt für seine verbrauchte Kilowattstunde 27 Cent. Also vollkommen unbeteiligt an der ganzen Verrechnung.
Der PV Anlagenbesitzer zahlt für seine Kilowattstunde ebenfalls 27 Cent erhält aber für seine gelieferte Kilowattstunde „nur“ 19 Cent (16 Cent EEG und 3 Cent Umsatzsteuer). Es gibt also drei Rechnungen!

Folie 24: Der Lokale Stromnetzbetreiber hat also 35 Cent auf seinem Konto!

Folie 25: Der Photovoltaikanlagenbesitzer hat eine Kilowattstunde Strom geliefert und eine verbraucht. Auf seinem Bankkonto hat er aber ein Minus von 8 Cent!!!

Folie 26: Derjenige der nichts getan hat darf natürlich für seine Kilowattstunde 27 Cent zahlen…

Ich bin der Meinung, der PV Anlagenbesitzer muß berechtigt werden einen rücklaufenden Stromzähler zu installieren. Bei meiner PV Anlage würde dies bedeuten ich produziere im Jahr ca. 9.000 kWh Strom und ich verbrauche 3.500 kWh in meinem Haus. Dann bleiben noch 5.500 kWh Strom über für die ich eine EEG-Vergütung erwarte. Sonst nichts! Ich möchte keine Strom mehr kaufen müssen schließlich produziere ich mehr wie ich verbrauche. Warum sollte ich also theoretisch Strom einkaufen??? Jetzt freu ich mich auf eine rege Diskussion…

6 Gedanken zu „Ist PV Eigenverbrauch ungerecht?

  1. Achim

    Da gibts nix zu diskutieren weil die Rechnung völlig korrekt ist 😉
    Überhaupt..wie sollte man einen der Solarstrom selbst verbraucht von einem Wenigverbraucher unterscheiden? Beide beanspruchen das Stromnetz weniger.
    Dein Verbrauch ist allerdings zu hoch, da könnte man sparen – ohne Verzicht!

    Ich warte nur noch auf das hier, dann klemm ich mich vom Netz ganz ab.
    http://www.caestorage.de/

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    1. Christian SG

      Zitat von http://www.caestorage.de/produkte.php :
      „Im Gegenzug zu herkömmlichen Akkuspeicherlösungen verfügt der CAEstorage-Energiespeicher über eine fast unbegrenze Lebensdauer.“

      Das ist meines Wissens so nicht richtig.

      Aus früheren Kontakten mit Leistungshydraulik weiß ich:

      * Der Wirkungsgrad (vor allem preiswerter Geräte) lässt oft zu wünschen übrig. Ich habe Werte von 70 – 90 Prozent im Neuzustand in Erinnerung – und die Aussage eines Herstellers, dass diese Werte oft „zügig“ auf ca. 50 – 70 Prozent absinken (mit denen ich in der Projektierung rechnen sollte).
      * Die Lebensdauer ist sehr wohl begrenzt. Und: Der Wirkungsgrad sinkt mit zunehmendem Verschleiß. Die hier wirkenden Verschleißmechanismen treten somit an Stelle von Zyklenfestigkeit und Tiefentladung bei Batterien.

      Ob der CAEstorage-Energiespeicher dennoch eine brauchbare Alternative zu Akkusystemen ist, muss und wird die Zukunft zeigen.

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  2. Erhard Beitragsautor

    Hallo Achim,

    in deiner Hoffnung auf Pressluft als Energiespeicher kann ich nichts sagen. Da fehlt mir der techn. Sachverstand.

    Dass du dich aber vom Stromnetz abklemmen willst halte ich für falsch. Ich bleib auf jeden Fall am Netz dran, denn ich will ja Strom exportieren!

    Natürlich könnte ich auch Strom sparen ohne Verzicht. Aber sag mal ehrlich wie lange „Verzicht“ schon gepredigt wird?
    Dies Botschaft kommt nicht an! In meinen Vorträgen gehe ich genau den anderen Weg. Wenn ich 9.000 kWh Strom auf dem eigenen Dach produziere, warum soll ich da sparen solange ich noch Strom exportiere?
    Wenn jeder so egoistisch denken würde hätten wir doch auch kein Energieproblem!
    Ich gebe allerdings zu, daß dies auf jedem Vortrag zu heftigsten Diskussionen führt. Also ich werde mich bessern! Vielleicht jedenfalls 😉

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  3. Achim

    Hallo Erhard, ich bezieh mich auf folgenden Bericht in Quer/BR3
    http://blog.br.de/quer/dezentrale-speicher-retten-buerger-energiewende-13032013.html
    In den Kommentaren darunter schreiben die Erfinder von 10 KW und 100 KWh. Das sollte reichen.

    Bei mir werden bei 4 Personen ca 1700 KWh/a verbraucht u. zusammen mit der 4 KWp PV-Anlage sollte das reichen. Den Überschuß im Sommer werde ich für die Warmwasserbereitung einsetzen und so Heizöl sparen.
    Ich möchte einfach nichts mehr mit den 4G zu tun haben. Aber mal abwarten ob die von CAE-Storage den Zeitplan einhalten u. der erste der das testet will ich auch nicht sein.

    Natürlich halte ich es nicht für falsch wenn jemand Strom „exportieren“ möchte. Ich hab ja auch einige Beteiligungen an WKA u. PV-Anlagen.

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  4. Christian

    Die 8 ct sind der Preis dafür (über die Grundgebühr hinaus), dass man immer am Netz ist und auch an Winterabenden „Saft“ hat (gerne aus Wind, Wasser und Biomasse).

    Man kann sich natürlich darüber streiten, ob das viel oder wenig ist…

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  5. Rainer

    Seit der Strom eine Farbe hat, mogelt der sich durch das gesamte Netz auch nach Frankreich und kommt dann wieder zurück zu meinem Zähler weil Solarstrom ja alleine keineswegs ausreicht um mich zu versorgen…

    Seltsam, Strom ist blind (nein nicht dieser Blindstrom) und völlig farblos und noch wichtiger, zu faul um erst anderswohin zu fließen, wenn gerade in meiner Hütte irgend ein el. Gerät nach „Durchfluss“ verlangt. Das ist physikalisch anders nicht möglich. Wer einen geeigneten „Smartmeter“ in der Verteilung hat, kann das dort auch ablesen. Später als Summe sowieso. Leider fehlt mir derzeit noch das richtige Gerät um diese Werte wenigstens lokal zu speichern.

    Doch um eine kWh zu zählen „zerlegt“ diese Zähler (ich hab zwei davon) die kWh in 10.000 Impulse. 1.000 W / 10.000 bedeutet 0,1 Watt als kleinste Einheit. Damit kann man ganz sicher im Umkehrsinn alles steuern und regeln was da so im Haus werkelt. Es gibt da ja schon einige Geräte. Was (mir) noch fehlt, ist ein Speicher, um wenigstens in Überschusszeiten meinen gesamten Bedarf „rund um die Uhr“ selbst zu verwuschteln. Klar, ein Teil wird als Brauchwasser gespeichert, ein kleiner Teil als Kälte im Gefrierschrank (mal sehen ob der über die Nachtstunden im „Limit“ bleibt, wenn ich ihn tagsüber gezielt „unterkühle“)

    Beleuchtung, ist über LED und noch wenige Leuchtstofflampen keine große Herausforderung. Eher schon die „Kommunikationsanlage“ (Telefon, DSL-Modem Router und Switch), PC, Monitore und TV-Geräte. Diese laufen teilweise 24 h, also 8760h im Jahr. Nicht zu vergessen was da praktisch aber doch „energiefressend“ im Standby betrieben wird – auch Zähler selbst, Klingeltrafos – werden gerne vergessen.

    In meinem Fall kommt noch Heizung hinzu – el. Direktheizung – in Fußböden mit Speicherwirkung (z.B. im Bad). Überhaupt, selbst in der Übergangszeit bleibt täglich noch für meine Geschmack viel zu viel übrig fürs „Netz“.

    Nun könnte man ja E-Heizung für Totalverschwendung halten. Das war auch richtig, solange ich die dafür benötigte Energie komplett aus dem Netz bezogen habe. Spätestens bei einer entsprechenden Regelung wird die Bilanz noch deutlich verbessert. Mein „Gewissen“ ist rein, zumindest, wenn meines Nachbarn PV-Anlage ihren Strom zu mir weiterleitet, wird die Menge die von „Fern“ kommen muss verringert. An weiteren Einsparungen an der Wärmebilanz arbeite ich noch.

    Nein mein Interesse geht soweit wie nur möglich in Richtung Teilautarkie. Warum soll ich Strom unter Wert verkaufen ? Wenn jede selbst verbrauchte kWh schon jetzt mit dem maximal zu zahlenden kWh-Preis übereinstimmt ? Meine Anlage wurde zu Null €uronen subventioniert – sprich ich habe sie komplett selbst bezahlt. Das Gejammere, ich würde mit meinen „Gewinnen und Subventionen“ die armen Verbraucher schädigen, kann ich nicht mehr hören. Im Gegenteil, ich werde nochmal Geld einsetzen um auch jetzt schon einen möglichst großen Anteil im „Inselbetrieb“ selbst zu verbraten. Sicher, ich bekomme dank der irren Meinung, man müsse den Eigenverbrauch noch bezuschussen auch für die selbst genutzte Leistung noch eine Bezahlung. Doch falls es je eine Möglichkeit gibt nicht abgedeckte Verbräuche aus dem Netz 1:1 zu verrechnen, würde ich das eigentlich gerne tun. Durch die steuerlichen „Nebeneffekte“ ist das „Geldverdienen“ manchmal sehr zweischneidig.

    Etwas, was bei reinen Einspeiseanlagen nicht bedacht wird, ist die Tatsache, eine Netzstörung führt immer auch zur Abschaltung der PV-Anlage – egal was die Sonne gerade zu tun beliebt. Ein wenigstens „Teilinselbetrieb“, wenn man schon „bis dahin“ investiert hat, ist es sicher auch aus dieser Sicht wünschenswert „da etwas zu tun“…..

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